Montag, 2. Februar 2015

Vom loslassen und halten

Immer mal wieder werde ich gefragt: Warum bloggst/schreibst du? Der wichtigste Grund und gleichzeitig auch die größte Motivation für mich ist die Möglichkeit, auf meinem Blog Wissen mit anderen zu teilen und Erlerntes weiterzugeben. Es gibt zwar noch weitere Gründe wieso ich blogge, aber die Klarheit, die ich damit in meinem Kopf schaffe ist wohl eine der wichtigsten. Anbei ein kleiner von mir geschriebener Gedankenschnipsel. Zum mitreden, teilhaben und austauschen =)
Seit ich Kinder habe stelle ich mir mindestens einmal am Tag diese Frage. 
Was will ich eigentlich? Kann es wirklich sein das ich nicht weiß was ich will? Kann man es einem und sich selbst überhaupt Recht machen? Kann ich einfach alles anhalten und für immer so belassen? Kann ich loslassen und gleichzeitig halten? 


Das ganze fing schon beim Kinderwunsch an. Ich wollte ein kleines Wunder in mir aufwachsen spüren, will ihm meine ganze Liebe und meine Zuneigung geben ich will mich für das Schönste auf der Welt aufopfern, aufgeben und hingeben. Aber ich will nicht dick werden, will nicht laufen wie eine Ente mit Hüftdysplasie, will keine Rücken-, Kopf-, Beine-, Glieder-, Popo- und überhaupt ÜBERALL-Schmerzen.  

Ich will die erste sein die dich sieht, dich berührt, deine Wärme spürt und dir Wärme gibt. Ich will eine 2-minütige Sturzgeburt völlig Schmerzfrei während wir Kaffee trinken und es die schönsten Blumen mit den wundervollsten Düften regnet - während wir alle dich mit einem Lächeln erwarten. Aber ich will nix dafür tun müssen, will nicht mit anderen Enten im Entenvorbereitungskurs um die Wette quaken, will nicht etwas einstudieren dessen Text ich bei der ersten – nicht schmerzfreien, nicht nach Blumen duftenden Wehe wieder vergessen habe. Ich will nicht leiden, weinen, schreien, um mich schlagen. Aber ich will dich endlich haben, anfassen, spüren, fühlen und riechen. Ich will einen Einlauf, eine PDA, ein Kaiserschnitt, ein Vollnarkose oder gleich das künstliche Koma. Aber ich will nicht die Risiken, die Nebenwirkungen und die Ängste. Ich will nicht dir und deinem winzig kleinen wundervollen Wesen schaden. Ich will das Beste für dich, denn du bist das Beste für mich. 

Und dann haben wir es doch geschafft! 
Irgendwie. Auf irgendeinen Weg. Auf welchen Weg ist völlig egal. 
Den in mir – in meinem Herzen -  wirst du sowieso mein Leben lang bleiben. 
Wichtig ist - du bist da! - du bist gesund! 


Ich will dich lieben, halten, beschenken, lehren, fordern und erziehen. Ich will aber nicht Angst haben vor Krankheiten, Verlusten, vorm Hinfallen, liegen bleiben und vor Schicksalsschlägen. Ich will dich Aufwachsen sehen, aufstehen sehen, dein erstes Lächeln, deinen ersten Zahn, dein erstes Krabbeln, deinen ersten Schritt und dein erstes Wort erleben. Ich will dass du endlich deine ganzen Zähne hast weil ich dich nicht mehr quengeln, weinen, fiebern und leiden sehen kann. Aber irgendwie will auch nicht das du bereits alle Zähne hast weil du so unheimlich süß aussiehst mit deinen vier Zähnchen. Ich will endlich dass du alleine läufst. Ich habe genug von meinen Rückenschmerzen, Verbeugungen, Verrenkungen und Millionen von Schweißausbrüchen um dich hinzuführen wo du hin möchtest, da du ja eh nie in die Richtung willst, in die ich will. 

Und nun, sieh her, jetzt läufst du schon ganz alleine! 
Aber ich will deine Hand doch noch nicht loslassen. Ich will noch dass du mich brauchst, mich rufst, auf mich schimpfst, mich lenkst und verrenkst damit ich dich an der Hand führe. Ich will endlich das du selbst dein Essen essen kannst, weil ich genug von versudelten Klamotten habe in denen mich die Leute nur noch vorfinden. Und mich anders gar nicht mehr kennen. 

Und nun, sieh her, jetzt kannst du sogar schon ganz alleine Essen! 
Aber nun geht mir das doch etwas zu schnell und ich möchte es dir doch wieder lieber selber geben. Will dass du jedes Mal lachst wenn mein Flieger angeflogen kommt und ich die witzigsten Geräusche mache - von denen ich früher nie gedacht hätte, das ich im Stande bin sie von mir zu geben. Ich will dass du sprechen lernst, dich verständigen kannst, deine Meinung äußern kannst. Aber ich will nicht dass du böse Wörter sagst, dass du verletzende Dinge zu mir sagst, obwohl du diese in dem Moment gar nicht so meinst. 

Ich will dass du von Herzen gerne und von ganz alleine in den Kindergarten gehst, weil ich dieses Weinen und Schreien, dass mir mein Herz in Stücke reißt - morgens - während sie dich mir „wegnehmen“ nicht mehr ertragen kann. Weil ich keine Tränen in deinem Gesicht sehen und aushalten kann. Ich will dass du dort Spaß hast, Freunde findest, singst, spielst und lachst. Aber ich will nicht dass du dich von mir im Stich gelassen fühlst, verraten, verwirrt, verletzt und traurig. Ich will dass du dort neue Seiten an dir entdeckst, deine Stärken kennenlernst, dich entfaltest und in den schwächeren Dingen wächst. Aber ich will nicht das es dir nun so gut gefällt das du es kaum erwarten kannst das ich endlich gehe. Ich will das du glücklich bist, wo du bist, aber ich will nicht das du mir schon an der Eingangstür sagst „Tschüss, geh jetzt - bis später“. Ich will dass du eine starke Persönlichkeit wirst mit gesundem Selbstbewusstsein. Ich will aber nicht dass du zu schnell groß wirst. Will nicht mein „Baby“ hergeben, welches du eben noch warst. Ich will dass du reifst, aber nicht dass du zu früh reifst. Will dass du zu einer selbstständigen, liebenswerten und wundervollen Person heran wächst. Aber irgendwie will ich auch nicht dass du mich nicht mehr brauchst. Ich will dass du in Liebe loslassen kannst um deinen ganz eigenen - von Gott für dich geplanten - Weg gehst. 

Aber irgendwie will ich auch nicht dass du mich loslässt. Ich will dich loslassen können. Aber ich will dich auch nicht loslassen. Was will ich denn jetzt eigentlich? 


Vielleicht weis ich nicht immer was ich will. Aber eins weiß ich genau, dass ich dich für immer lieben und halten werde. Das ich dich im Herzen nie loslassen werde. Und ich weiß, dass ich in irgendeiner Weise immer von dir gebraucht werde. Und ich will das du weißt, dass ich dann da bin, dass ich dich dann zum Lachen bringen, halten, füttern, dich tragen, dir Geborgenheit schenken, dich wärmen und lieben werde. Das ich für dich alles in Kauf nehme, dass ich mich dann für dich verrenken, lenken, mich von dir besudeln und anschimpfen lassen werde. 
Das alles - und noch viel mehr - werde ich für dich tun.  
Jetzt und für immer.


 Könnt ihr dieses Chaos nachvollziehen? Wart oder seid ihr auch hin- und hergerissen?
Eure kiki




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1 Kommentar

  1. Wow, das hast Du ganz, ganz toll geschrieben. Genauso so ist es - so sind diese widersprüchlichen Gefühle. Und genau das ist es ja: die schönste und gleichzeitig anstrengendste Aufgabe der Welt. Danke für diesen schönen Artikel!

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Vielen Dank für deine Lieben Worte =) Sobald ich das Kommentar freigeschaltet habe ist es für dich - und alle anderen Sichtbar =)

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